
Wer im Straßenverkehr unter dem Einfluss von Amphetamin auffällt, muss in den meisten Fällen mit dem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen. Der Gesetzgeber stuft die Teilnahme am Straßenverkehr unter Drogen als erhebliches Risiko ein, da bereits geringe Mengen die Fahrtüchtigkeit stark beeinträchtigen können. Um den Führerschein zurückzuerlangen, wird in solchen Fällen in der Regel eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet.
Warum wird nach Amphetaminkonsum eine MPU angeordnet?
Amphetamin gehört zu den sogenannten „harten Drogen“ und wird rechtlich strenger behandelt als Cannabis. Bereits einmaliger Konsum kann die Fahreignung infrage stellen. Behörden gehen in solchen Fällen davon aus, dass ein erhöhtes Risiko für erneuten Konsum oder Kontrollverlust besteht. Die MPU soll klären, ob die betroffene Person künftig zuverlässig drogenfrei bleibt und verantwortungsbewusst mit ihrer Fahrerlaubnis umgeht.
Ablauf der MPU bei Amphetamin
Die Untersuchung besteht aus drei Hauptteilen:
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Medizinische Untersuchung
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Ärztliche Befragung zur Drogenvorgeschichte.
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Körperliche Untersuchung, manchmal inklusive Drogenscreening.
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Nachweis über Abstinenz (meist 6–12 Monate) ist zentral.
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Leistungstests
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Überprüfung von Reaktionsvermögen, Konzentration und Aufmerksamkeit.
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Dient dazu, die aktuelle Fahrtüchtigkeit festzustellen.
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Psychologisches Gespräch
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Der wichtigste Teil der MPU.
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Hier geht es um die Einsicht in das frühere Verhalten, die Ursachen des Konsums und die Strategien, die entwickelt wurden, um einen Rückfall zu verhindern.
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Oberflächliche oder auswendig gelernte Antworten werden meist erkannt – Authentizität und Selbstreflexion sind entscheidend.
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Abstinenznachweise – das zentrale Kriterium
Ohne einen lückenlosen und forensisch abgesicherten Abstinenznachweis ist eine positive MPU bei Amphetamin praktisch ausgeschlossen. Es gibt zwei gängige Verfahren:
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Urin-Screening: Mehrere unangekündigte Tests über Monate.
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Haaranalyse: Kann Konsumfreiheit über bis zu 6 Monate nachweisen (abhängig von Haarlänge und -struktur).
Die Dauer der geforderten Abstinenz hängt vom individuellen Fall ab. Häufig verlangen Gutachter mindestens 12 Monate belegte Drogenfreiheit, manchmal reichen auch 6 Monate, wenn es sich nachweislich um einen einmaligen Vorfall gehandelt hat.
Typische Fragen im psychologischen Gespräch
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Wie kam es zum Konsum von Amphetamin?
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Welche Rolle spielte die Droge im Alltag oder im sozialen Umfeld?
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Wann und warum fiel die Entscheidung, den Konsum zu beenden?
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Welche Strategien werden genutzt, um Rückfälle zu vermeiden?
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Was hat sich im Leben konkret verändert (soziales Umfeld, Freizeitgestaltung, Stressbewältigung)?
Erfolgsfaktoren für eine positive MPU
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Ehrlichkeit und Selbstreflexion: Schönreden oder Verharmlosen führt fast immer zu einem negativen Ergebnis.
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Glaubwürdige Verhaltensänderungen: Die Gutachter wollen nicht nur Worte, sondern nachvollziehbare Veränderungen im Alltag sehen.
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Professionelle Vorbereitung: Verkehrstherapie oder MPU-Beratung helfen, die eigene Geschichte strukturiert aufzuarbeiten.
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Lückenlose Abstinenznachweise: Ohne diese ist ein positives Gutachten unmöglich.
Fazit
Eine MPU wegen Amphetamin ist eine ernste Angelegenheit – aber sie bietet auch die Chance auf einen klaren Neuanfang. Wer die Ursachen seines Konsums ehrlich aufarbeitet, konsequent abstinent bleibt und sich professionell vorbereitet, hat gute Chancen, den Führerschein zurückzuerlangen.
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